travel. Barcelona / 2.8. – 5.8.2019

Unser Aufenthalt in Albacete war schön und erholsam. Dennoch war ich froh dem Ort entfliehen zu können. Zu viel oberflächliche Idylle und natürlich eine unüberwindbare Sprachbarriere. Sobald wir das idyllische Grundstück und seine so glücklichen Bewohner verlassen hatten, kamen wir wieder in die karge Landschaft Spaniens zurück. Dieses Mal haben wir nur ca. 4,5 Stunden gebraucht und ich habe weiter an meiner Textgenauigkeit von Ghostbusters gefeilt. Mittlerweile konnte ich schon fast alle Szenen problemlos mitsprechen, als ich dann auch noch anfing zu singen, wurde es Leon allerdings zu viel.😂

Barcelona ist eine tolle Stadt und ich war froh, dass wir auch hier drei Nächte verbringen wollten. Wir hatten ein Zimmer bei Norma, in dem schönen und vor allem lebendigen Viertel „El Carmel“ unweit des „Parc Güell“. Es lag oberhalb der City von Barcelona an einem der Berge, die rund um Barcelona liegen und hatte eine noch spannendere Straßenführung als Lissabon. Wir haben unsere Unterkunft in dem ganzen abenteuerlichen Auf und Ab jedoch leicht gefunden. Was wir nicht leicht gefunden haben, ist ein Parkplatz. Zum Ausladen stellte ich mich also erst einmal irgendwie halb auf den Bordstein. Was in Deutschland undenkbar ist, stört in südlichen Ländern eigentlich niemanden.

Das Zimmer lag im letzten Stock (4.Stock ohne Aufzug natürlich – Leon hat mich verflucht😄). Es war klein aber schön und hatte den einzigen Zugang zum großen Balkon oder vielmehr der Dachterrasse. Sie war voll mit Pflanzen und hatte einen tollen Blick über das Viertel! Unter einem kleinen Tisch stand sogar das Zuhause einer winzigen Wasserschildkröte, die unter ständiger Beobachtung von Normas Katze stand. Die ganze Wohnung war nicht groß, aber erfüllt mit der Herzlichkeit von Norma, die uns so liebevoll empfangen hat und uns sofort das Gefühl gegeben hat, mehr als willkommen zu sein. Wir konnten uns wunderbar auf Englisch unterhalten. Also doch noch eine Spanierin die Englisch kann? Nein. Denn Norma kommt ursprünglich aus Argentinien und hat zuvor lange Zeit in Brasilien gelebt. Nun aber lebt sie schon seit vielen Jahren in Barcelona und verwaltet neben ihrer eigenen auch noch weitere Wohnungen für Airbnb.

Wieder einmal stelle ich fest, wie zuvor schon bei Chris in Rouen oder Pedro in Lissabon, dass es die einfachen Verhältnisse sind, in denen ich mich am wohlsten fühle. Es ist nicht so, dass die Menschen materielle Dinge nicht achten, im Gegenteil. Aber im Vordergrund stehen Menschlichkeit, Empathie, Interesse und Wärme. Norma und ich hatten sofort einen sehr guten Draht zueinander. Sie hat sogar eine Freundin angerufen, um sich zu erkundigen, wo ich denn ungestört mein Auto parken könnte. Ich war nach meiner Erfahrung in Lissabon etwas verunsichert. Menschen wie Norma, haben auch Freunde wie Norma. Und ihre Freundin war übers Wochenende (sprich in der Zeit, in der wir in Barcelona waren) nicht da und hat mir – einfach so – ihren Stellplatz im Parkhaus überlassen, samt Schlüssel natürlich. Mein Auto war also „Save“! Und ich erleichtert!

Nachdem das Auto also geparkt war, machte ich erst einmal etwas zu essen in der kleinen Küche von Norma. Beim Essen erhielten wir dann viele Tipps von Norma und sie nannte uns einen Platz, von dem aus man einen wunderschönen Blick über ganz Barcelona hatte und den wir noch am selben Abend aufgesucht hatten. An unserem Ankunftstag haben wir aber vor allem die Ruhe und angenehme Atmosphäre unserer Unterkunft genossen und ich habe stundenlang auf der Dachterrasse gesessen, gelesen, über das Viertel geschaut, den lebendigen Geräuschen der Nachbarschaft gelauscht, Weißwein getrunken und den Moment der völligen Ruhe genossen.

Auf den Spuren von Gaudí
Barcelona ist für mich untrennbar mit Antoni Gaudí verbunden, der diese Stadt mit seiner Architektur geprägt hat wie kein anderer. Noch heute, wie bei meinem letzten Besuch in Barcelona vor 23 Jahren, wird an der Sagrada Família gebaut. Dem wohl eindrucksvollsten Bauwerk Gaudís. So gibt es unzählige Gebäude, die das Stadtbild prägen und ich wollte an diesem 3.August einige davon sehen.

Von Norma ließen wir uns erklären, wie wir in die Stadt kommen und wie am Besten zur Sagrada Família, der ich einen Besuch abstatten wollte. Die Bushaltestelle war nicht weit und man erreichte sie über eine offene Rolltreppe! Das hatte ich auch noch nicht gesehen und Leon war begeistert! Im Bus fragte ich (also ich machte es dem Busfahrer begreiflich, der natürlich kein Englisch sprach) wo ich aussteigen musste um zur Sagrada Família zu kommen.

Dort angekommen, war ich allerdings enttäuscht, da auch hier der Kapitalismus gnadenlos zugeschlagen hatte und der Eintritt für Leon und mich insgesamt fast 100€ gekostet hätte. Abgesehen davon, dass mein Reisebudget dies nicht hergab, fand ich auch die Preise maßlos übertrieben. Genauso verhielt es sich bei den anderen Bauwerken: der Eintritt war einfach übertrieben teuer und somit begnügten wir uns, sie von außen zu betrachten.


Wir sind an diesem Tag so viel gelaufen, bis unsere Füße uns nicht mehr tragen wollten. Aber es war ein wundervoller Streifzug entlang der Bauwerke Gaudís und durch das alte Viertel „Ciutat Vella“ Barcelonas. Eine Stadt mit einer ganz eigenen Atmosphäre und einem kunterbunten Mix aus Menschen aller Herren Länder.

Am Ende wollten wir allerdings nur noch nach Hause – also zu unserem temporären Zuhause bei Norma. Wo war noch mal die Bushaltestelle? Puh, keine Ahnung. Ich frage mal, dachte ich. Wieso vergaß ich nur immer, dass Spanier kein Englisch können?🤔😄 Aber letztendlich habe ich doch einen Busfahrer gefunden, der uns halbwegs erklären konnte, wo unser Bus – die Nummer 19 – abfuhr. Völlig fertig haben wir die Haltestelle dann auch gefunden und mussten noch einmal 20 Minuten auf den Bus warten.
Endlich, da kam er ja. Leon ist, so schnell ihn seine Füße noch tragen konnten, in den Bus gehüpft und hat uns schon mal Plätze gesichert. Ich musste ja noch die Tickets kaufen. Also, ich wollte… ich meine, das wäre auch sicher kein Problem gewesen, hätte ich nicht schon wieder ein winziges Detail mit einer fatalen Auswirkung vergessen (mein Kopf ist manchmal echt ein Sieb): man kann in Barcelonas Bussen nur mit Kleingeld oder einem 10 € Schein bezahlen. Ich hatte allerdings nicht genügend Kleingeld, einen 50 € Schein oder einen 20 € Schein zur Auswahl. Oh man. Aber Leons Füße tun ihm doch so weh. Er wird mich verfluchen… Während ich noch dabei war die Ausmaße des Problems zu erkennen, hatte der Mann hinter mir offensichtlich meine Notlage erkannt und hielt mir 5 € hin. Meinen Blick richtig deutend sagte er: „Das ist schon in Ordnung.“ Ok, in diesem Fall war es das wirklich, denn ich wollte um keinen Preis Leon wieder aus dem Bus holen müssen.

René
Es ist eben einer dieser Zufälle, die einem das Leben so vor die Füße spült. Man muß sich nur noch bücken, ihn aufheben und erlebt etwas völlig unerwartetes und zugleich wunderbares. Der Mann, der mir so selbstlos aus der Patsche geholfen hatte, war René. René ist René und lebt seit vielen Jahren in der Schweiz. Da wir nun schon im gleichen Bus waren, haben wir uns weiter unterhalten. Es sah zwischendurch zwar so aus, als müsste oder wollte René aussteigen, hat es aber letztendlich nicht getan. Wir haben uns angeregt unterhalten, also das heißt… eigentlich kam ich irgendwann gar nicht mehr zu Wort.🙄 Denn Leon hatte in René einen Seelenverwandten gefunden und es ging auf einmal nur noch um Themen wie: Nullpunkt Energie, Quantenphysik, die Frage ob das Universum rund ist und ob es endlich oder unendlich ist, wie man am Besten zum Mond kommt… Tja, was soll ich sagen. Ich konnte mich einfach nicht so richtig einbringen in diese angeregte Diskussion. An unserer Haltestelle angekommen, diskutierten die beiden immer noch weiter. Ich war fasziniert. Gleichermaßen von meinem Sohn, der mit einer Selbstverständlichkeit und einem ungeahnten Wissen alle diese Themen diskutieren konnte und René, der sich offensichtlich ebenfalls auskannte mit der Thematik, Leon viele neue Impulse gab und jedem seiner Gedankensprünge mühelos folgen konnte. Hochkonzentriert und immer diskutierend kletterte Leon dabei immer wieder auf die Mauer hinter ihm, setzte sich hin, ließ seine Schuhe fallen, stellte fest, dass es doch eher unbequem war dort zu sitzen, stand wieder auf, lies sich wahlweise von mir von der Mauer helfen oder kletterte selbst hinunter, machte seine Füße sauber und zog seine Schuhe an. Nur um dann eine Minute später wieder auf die Mauer zu klettern, sich hinzusetzen…

Nachdem ich beim Thema Marvel „Doctor Strange“ von beiden ausgenockt wurde: René mit einem Augenzwinkern „Den musst Du Dir am Besten noch mal anschauen“ und Leon „Nee Mama, das hast Du komplett falsch in Erinnerung“,🙄 habe ich es aufgegeben doch noch am Gespräch teilzunehmen. Beobachten ist ja schließlich auch schön. Mein Blick fiel auf Renés Socken. Weinrot. Einmal mit hellen Punkten und einmal mit hellen Streifen. Zwei Verschiedene also. Das war definitiv kein Zufall sondern gewollt. Damit werden die Socken zu einem Statement… Persönlichkeit und Authentizität… Ja, das mag ich.

www.renevougee.com

Irgendwo in meiner Mauer musste der Mörtel locker geworden sein… und dann ist so ein kleines Gefühl hindurchgehuscht an diesem Tag und hat mich berührt. Einfach so habe ich mich gebückt und es aufgehoben. Es war doch noch so klein und zart und hatte sicherlich Angst…

Der Tag am Strand
Am nächsten Tag war wieder mal ein Strandtag. Ich hatte mich natürlich wieder schlau gemacht und wollte ungern zu dem touristischen Barceloneta Beach mit Leon. Daher machten wir uns auf zum Platja de La Mar Bella.
Wir gingen die Strandpromenade entlang. Mir fielen ein paar Fotografen auf, die französisch sprachen. Sie hatten ein paar junge Mädchen angesprochen. Wir gingen weiter. Auf einmal kam ein junges Pärchen auf mich zu und fing an mich auf Spanisch anzusprechen. Ich schlug Englisch vor. Nein, leider nicht so gut. Französisch vielleicht? Ah, die Augen der jungen Frau zumindest leuchteten und sie fing an mir zu erklären, dass sie ihr Auto suchten, ob ich wüsste, wo der Abschleppdienst die Autos hinbringt😅… keine Ahnung. Daraufhin kamen auf einmal die Fotografen zu mir, da sie gehört hatten, dass ich Französisch sprach. Ob ich nicht auch teilnehmen wollte an der Serie: Franzosen im europäischen Ausland. Nein, wollte ich nicht. Ich bin ja keine Französin, aber die junge Frau eben, die ihr Auto sucht. Vielleicht hatte die ja Lust! Kurios. Wir gingen dann mal weiter.

Entfernung ist ja immer relativ. Wir merkten dann schnell, dass uns der Strand doch relativ weit weg vorkam. Das letzte Stück haben wir uns dann von einer Rikscha fahren lassen.

Der Strand war wirklich schön. Aber ganz schön voll und irgendwie auch ganz schön… ja Moment mal. Hatte ich da was übersehen? „Äh, Mama, die sind ja nackt.“ Oh, ja…🤔aber nicht alle. Es gab nackte Männer, nackte Frauen, Frauen oben ohne… jeder wie er mochte eben. Leon war irritiert. Aus dem Tag am Strand sind dann letztendlich nur 1,5 Stunden am Strand geworden. Aber ich war nicht böse drum, denn so konnte ich noch ein letztes Mal Normas Terrasse genießen und für uns kochen.

Am nächsten Tag ging es nach einem kurzen Besuch im schönen Parc Güell weiter Richtung Frankreich. Zunächst in das wunderschöne Sommières.