STOP POLIZEI! – STOP POLIZEI! – Der Mythos des ersten Autos!

Mein erstes Auto

Der Mythos des ersten Autos! Ich war so aufgeregt! Vertrauensvoll habe ich die Autowahl in die Hände meines älteren Bruders und meines Vaters gelegt. Beides absolute Auto-Kenner, die genau wissen, wo ein Auto so seine Mängel hat. Wobei ich heute rückblickend darüber lachen kann, wäre ich doch damals am Liebsten jedes Mal im Erdboden versunken. Denn was machen richtige Auto-Kenner bei einer Besichtigung? Richtig, sie suchen die Nadel im Heuhaufen…

Was für eine Odyssee. Nach unzähligen Besichtigungen und peinlichen Momenten bei denen im Auto, unter dem Auto, im Motorraum, im Kofferraum unter der Abdeckmatte, im gesamten Innenraum, im Handschuhfach, unter allen Fußmatten, und was weiß ich wo nach Mängeln gesucht wurde, war die Wahl gefallen: mein erstes Auto wurde ein kack-brauner Opel D-Kadett mit Fließheck (Adjektive wie sportlich oder aerodynamisch scheinen mir angesichts der Farbe nicht adäquat). Hatte ich erwähnt, dass mein Bruder und mein Vater damals Opel-Fans waren? Frei nach dem Motto: schlimmer geht immer, habe ich zur Vervollständigung des Gesamteindrucks noch fesche Donald Duck Sitzbezüge gekauft und natürlich den für die damalige Zeit obligatorischen Wunderbaum! Ha, ein echter Weggucker mein Gefährt! …aber zu Anfang tat es auch einfach das was es sollte: fahren und mich von A nach B bringen.

Mein erstes Auto – ein brauner D-Kadett

Ein wirklich sehr hässliches Auto.

Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es ein zweites davon geben könnte. Na ja, ich war gerade mal 19 und damals war die Zeit der Peugeot 205, Opel Corsa oder VW Golf. Da stach ich doch etwas heraus mit meinem Super-Schlitten, allein schon wegen der Farbe. Im Prinzip war mir das aber wirklich einerlei, denn wir wohnten alle in unterschiedlichen Dörfern und um meine Freundinnen zu besuchen, wurde es mit Auto wesentlich einfacher. Eines nachts war ich auf dem Heimweg von meiner Freundin Natascha. Die Strecke führte auch ein Stück über die Autobahn. Es war ca. 1:00Uhr und logischerweise stockdunkel. Keine Menschenseele und kein weiteres Auto waren unterwegs, als ich auf einmal im Rückspiegel etwas blinken sah. Glaubt mir, darauf war ich nicht gefasst! „STOP POLIZEI! – STOP POLIZEI! – STOP POLIZEI!“ – immer wieder und sie kamen näher. So langsam dämmerte es mir: Die meinen tatsächlich mich! (Es war ja auch wie erwähnt sonst niemand mehr unterwegs.) Ich befand mich gerade auf der Autobahn-Auffahrt als das Auto an mir vorbeifuhr, vor mir hielt und ich damit dann auch endlich erkannt hatte: ich sollte wohl doch mal anhalten. Ich! Völlig unschuldig, grün hinter den Ohren und… in dem Moment furchtbar verunsichert. Also habe ich erst einmal alle Stöpsel heruntergedrückt (definitiv zu viele Filme gesehen!) und dann nur das Fenster einen Spalt breit geöffnet. Die Polizeibeamten, sowie auch das Auto waren in zivil unterwegs, was mich damals vor allem unsicher gemacht hatte. Es stellte sich folgendes heraus: sie waren einem Kriminellen auf der Spur, der exakt das gleiche Auto fuhr wie ich (nur ohne die Sitzbezüge! Komisch. Dabei waren sie so super fesch!) Wie konnte man nur so dämlich sein, mit einem so auffallend hässlichen Auto auch noch Straftaten zu begehen? Diese Begegnung mitten in der Nacht, ich alleine mit meinem hässlichen Auto – das hat uns zusammengeschweißt. Aber nicht gut genug, wie sich dann alsbald herausstellte.

Das Ende meines kack-braunen Gefährts

Als Vier-Türer hatte es ja auch durchaus seine Vorzüge. Jedes Wochenende ging es in der Zeit zum Party machen in naheliegende Indi-Diskos. Wir waren damals fast jedes Wochenende im „Lorbass“ in Gelnhausen. Relativ klein, cool, verraucht, voll und independend. da ich ja nun motorisiert war, bin ich auch häufig gefahren. Aber das war mir egal, denn ich brauchte schon damals keinen Alkohol um Spaß zu haben. Es war eine herrliche Zeit! Meistens sind wir erst gegen 2 – 3 Uhr nach Hause gefahren. So auch in jener Nacht. Aber, irgendetwas war anders. Mein kack-brauner D-Kadett machte komische Geräusche. Wir waren zu dritt oder viert unterwegs. Genau weiß ich das nicht mehr. Was ich weiß war, dass es sich nicht gut anhörte. Demnach fuhren wir auch nicht über die Autobahn nach Hause, sondern über die Dörfer, da ich mich da sicherer fühlte. Eingebung? Vielleicht. Da wir alle keine Auto-Cracks waren, wussten wir die seltsamen Geräusche, die mein Auto von sich gab nicht wirklich zu deuten. Glücklicherweise hat es uns kurze Zeit später selbst aufgeklärt: Ein ohrenbetäubender Lärm störte plötzlich die menschenleeren und stillen Straßen der Dörfer. Wir hatten den Auspuff verloren! Na ja, also nicht ganz und komplett. Nur auf einer Seite. Natürlich nicht hinten, wie bei normalen Autos. Nein. Sondern vorne! Unter dem Motorblock! Warum in aller Welt musste das ausgerechnet mir, um 3Uhr morgens, mitten im Dorf passieren!? Tja, was nun. Nachdem ich erkannt hatte was los war, wusste ich auch, dass wir das alleine nicht hinbekommen. Ha, nun musste improvisiert werden. Jetzt klingt es lustig, aber damals… Wir haben das Auto also stehen lassen und uns auf die Suche nach einer Telefonzelle begeben. Ok, für alle jüngeren Leser: das ganze ist nun 28 Jahre her und logischerweise gab es keine Handys. Nachdem wir eine Weile im Dorf umhergeirrt waren, wurden wir endlich fündig. Ich habe meine Eltern angerufen, die meinen Bruder geweckt haben, der uns aus unserer misslichen Lage befreit hat! Leicht genervt von seiner kleinen Schwester, hat er den Auspuff kurzerhand provisorisch hochgebunden und wir sind röhrenderweise durch die Dörfer nach Hause gefahren! Was für ein Spaß… Der Lärm war wirklich kaum zu ertragen. Weder im Auto, noch für die „schlafenden“ Dorfbewohner.

Hinterher stellte sich dann heraus, dass der komplette Unterboden total verrostet war, was es unmöglich machte, den Auspuff wieder festzuschweißen. Mein Bruder und mein Vater hatten wohl dieses eine Mal vergessen bei der Besichtigung unter das Auto zu krabbeln..;) sonst wäre ihnen das bestimmt nicht entgangen. Letztendlich hat mein Bruder es irgendwie geschafft den Auspuff so lange zu befestigen, bis der D-Kadett auf einem großen Automarkt ins Ausland verkauft wurde..;) Ich kann jetzt nicht behaupten, dass mich das besonders traurig gestimmt hat! Nach nur ca. 9 Monaten musste ich also nach meinem nächsten Auto schauen. Dieses Mal entschied allerdings ich, was es für eins wurde! Ich hatte alle Trümpfe in der Hand und weder mein Bruder noch mein Vater konnten mich nach dieser Geschichte daran hindern einen wunderschönen (das ist relativ) Renault 5 mit einem echten Clou zu kaufen: Er war rot und hatte eine mechanische Scheibenwischanlage…so eine kleine Fußpumpe auf der linken Seite. Ich mag es eindeutig unvollkommen und besonders…;)

Na ja, ihr ahnt es bestimmt schon. Auch dieses Exemplar hatte so seine Tücken… Gut, die einen hatten in ihrer Sturm- und Drang-Phase einen unglaublichen Verschleiß an Männern. Bei mir waren es eben die Autos…! ;D Was auch immer das über mich aussagen mag. Hm. …ich denke mal nicht darüber nach.;)…

Das war Nr. 1 / 15