Déesse, Ente & Co.

Seid ihr jemals Auto gefahren und dachtet, eigentlich sässet ihr auf der Couch und schaut ein Roadmovie? Genaus so fühlt es sich an, wenn man mit der Königin unter den Autos unterwegs ist. Der Citroen DS. Das Auto von Fantomas, vergöttert & verehrt seit ihrer ersten Stunde im Jahr 1955. Eine luftgefederte Limousine mit einem lichtdurchfluteten Innenraum, schnittig, elegant und mit einem einzigartigen Fahrgefühl. Ich war stolze Besitzerin einer Déesse in türkis-blau. Lenkradschaltung, Servolenkung und Kurvenlicht. Der Clou war jedoch die hydropneumatische Federung.

Mittels Druckluft konnte das Niveau des Autos, unabhängig von der Beladung, auf gleichem Niveau gehalten werden. Vor dem Losfahren musste man also immer ein paar Minuten abwarten, bis das gesamte Fahrzeug sich „hochgepumpt“ hatte. Für damalige Verhältnisse war das Sicherheitsniveau der Déesse hoch und selbst Präsident Charles de Gaulle konnte einem Attentatsversuch nur knapp entkommen, Dank der Hydropneumatik, die es der Déesse erlaubte auf drei Rädern weiterzufahren.

Das alles war mir jedoch bis zu einem denkwürdigen Tag im Frühsommer 1999 nicht bewusst. Ich habe dieses Auto immer bewundert. Es ist einmalig elegant. Es fährt sich einmalig sicher & bequem und gibt einem ein Fahrgefühl, wie ich es seitdem nicht mehr hatte. Leider schluckt es auch einmalig viel Benzin.

Die Déesse war Auto Nr. 7 / 15.

Die vorletzte Fahrt ging nach Deutschland. Mit meiner Freundin Paulette (ungewöhnlicher Name für eine absolut bemerkenswerte Frau mit einer unvergleichlichen positiven Einstellung) machte ich mich auf den Weg nach Deutschland, denn in Jahr 1999 lebte ich noch in Lyon/Frankreich. Meiner schillernden Wahlheimat. Es war eine wundervolle Fahrt. Zwei Frauen, die ununterbrochen reden konnten. 8 Stunden – no problem. Für Unterhaltung, falls wir tatsächlich mal nichts sagten ;), sorgte lediglich ein Radio. Kassette, CD-Player – in einem echten Oldtimer natürlich Fehlanzeige. Aber das machte nichts, denn wir sangen beide für unser Leben gerne! Also haben wir Kanons gesungen und uns kringelig gelacht. Eine perfekte Reise. Schönes Wetter hatten wir auch und wir waren umgeben von lauter freundlichen Lastwagenfahrern, die uns immer wieder überholten, hupten und uns zuwinkten. Soweit, so gut. Wir haben natürlich gelacht und freundlich zurück gewunken. Die verständnislosen Blicke hatten wir wohl nicht bemerkt… Unser Schlitten flog mit verhältnismäßig geringer Geschwindigkeit (sonst hätten uns wohl kaum LKWs überholt) über die Autobahn. Nach dem sechsten LKW (der Fahrer zeigte sehr deutlich auf unser Auto) dachten wir uns: „vielleicht sollten wir doch einmal anhalten“. Wir waren nur noch 90km von Frankfurt entfernt und ungefähr 120km von unserem Ziel – meinem elterlichen Zuhause.

Beim nächsten Rastplatz fuhren wir also ab, nichts ahnend wohlgemerkt. Eine kleine Pause würde auch mal ganz gut tun. Wir stiegen aus um eine Runde ums Auto zu gehen und… womit wir wirklich gar nicht gerechnet hatten: wir hatten einen PLATTEN! Vorne links. Verdammte Hydropneumatik! Wir hatten es tatsächlich nicht bemerkt! Unglaublich, aber man konnte etliche Kilometer fahren, ohne sich dessen bewusst zu werden. Nun gut. Problem erkannt, wollten wir den Reifenwechsel vornehmen. Aber… wo auch immer wir an, unter und im Auto suchten, es war kein Ersatzrad zu finden. Tolle Pleite! Also versuchten wir unser Glück bis zum 20km entfernten Autohof zu kommen – leider ohne Erfolg. Einmal heruntergefahren, war es der Déesse nicht möglich sich auf ein gleichmäßiges Niveau zu pumpen, mit einem Platten. Die nächste Ausfahrt, die wir nehmen konnten, war die Autobahnpolizei. OK, alles klar. Die freundlichen Polizisten klärten uns mit verhaltenem Grinsen auf, dass man an einem Sonntag leider nirgendwo ein Ersatzrad kaufen konnte. Notgedrungen mussten wir die Nacht auf dem Parkplatz vor der Polizeistation verbringen. Aber letztendlich lässt sich die Göttin unter den Autos zu einem wunderbar bequemen Nachtlager umfunktionieren! Morgens wurden wir mit einer Tasse Kaffe auf der Polizeistation empfangen und zu einem Reifenhändler gebracht. Ein Abenteuer eben,…  Nachdem der Reifenwechsel vollbracht war (damals hatten wir das alle noch in der Fahrschule gelernt) fuhren wir weiter, unserem Ziel entgegen.

Ich glaube, wir waren sehr froh angekommen zu sein. Was für eine Nacht! Wir waren todmüde, erledigt und voller Dankbarkeit. Hätte sich doch nur einer der Polizisten ausgekannt, mit der liebenswerten, einmaligen Déesse! Dann wäre uns die nun folgende Blamage erspart geblieben. Denn, am nächsten Tag fuhren wir in die Autowerkstatt im Nachbardorf, um die Déesse schätzen zu lassen. Zähneknirschend erklärte ich, dass es wohl kein Ersatzrad gäbe, da wir einen Platten hatten… usw. Kein Problem meinte der nette Typ in der Werkstatt, grinste sehr wissend und öffnete… die MOTORHAUBE…

OH, ich schwöre, noch nie, in meinem ganzen Leben davor habe ich mir so sehr gewünscht im Erdboden zu versinken… Paulette übrigens auch. Ohne auch nur ein Wort zu wechseln erklärten wir stillschweigend Stillschweigen über diese Blamage zu halten, welches ich mit dem heutigen Tage breche, da wir nun darüber Lachen können…

ABER!!! Wer um alles in der Welt vermutet bitteschön ein Ersatzrad unter …der MOTORHAUBE! Es war so ziemlich der einzige Ort, an dem wir nicht nachgeschaut hatten. Nicht im Entferntesten hatten wir diese Möglichkeit überhaupt in Betracht gezogen. Augenblicklich sind wir vor Scham im Erdboden versunken…. Der Werkstattmensch grinste natürlich… Aber er hat nichts gesagt! Sein Glück!!!… Oldtimer sind eine Klasse für sich und stammen aus einer Zeit, in der Autos noch Charakter hatten… Auch wenn sie ihre Ersatzräder in der Motorhaube verstecken!

Ich habe schließlich vom Erlös der Déesse einen VW Bus T3 sowie einen roten Käfer in eben dieser Werkstatt gekauft… Aber was ich mit diesen zwei Fahrzeugen erlebt habe, das ist sicherlich eine weitere Anekdote wert. Gebrauchtwagen haben eben ihren ganz besonderen und sehr eigenen Charme… Vor allem, wenn sie bei mir landen…